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Der Alltag einer mittelalterlichen Powerfrau

Winsen-Zeitreise-Mittelalter

Chantal Philipp

Autor

Dorothea von Dänemark war für ihre Zeit eine erstaunlich fortschrittliche und sehr energische Frau. Als Prinzessin von Dänemark ist sie für die Heirat mit Wilhelm dem Jüngeren ins Fürstentum Lüneburg gezogen... und hat dort einiges auf den Kopf gestellt!

Als Tochter von Christian III. (König von Dänemark und Norwegen) trat sie in große Fußstapfen. Ihr Vater war glühender Lutheraner, der Martin Luther selbst kennengelernt hatte und dessen Regierungszeit das Land einen gewaltigen Aufschwung erlebte.

Nach einer Kindheit in Dänemark heiratete Dorothea am 12. Oktober 1561 Wilhelm den Jüngeren von Braunschweig-Lüneburg – sie kam ins Reichsfürstentum mit einem wunderschönen, vergoldeten Brautwagen, den sie später ihrer Tochter Margarethe vermachte als diese 1599 die Eheschließung mit Johann Casimir von Sachsen-Coburg vollzog.

Auch die restliche Mitgift konnte sich sehen lassen, von zehntausenden Tälern über Kleinod, silbernes Geschirr, Ketten, Decken, Röcke und mehr.

Im Ehevertrag vermachte ihr Mann ihr dafür neben Winsens Schloss und Stadt, auch das Amt mit den Einkünften.

Gemeinsam mit Wilhelm – es ist zwar nicht belegt wie viel Einfluss Dorothea auf die Regierung ihres Mannes hatte, aber man weiß aus ihren späteren Jahren, dass sie durchaus energisch ihre »Projekte« anging – wurde eine Reform des Fürstentums eingeleitet.

Neues Rechtswesen, neues Hofgericht und viel Förderung des Handels trugen zu einer fortschreitenden Entwicklung der Herrschaftsgebiete bei.

Viele Jahre lebte das Paar wohl sehr glücklich – beide waren strenggläubige Lutheraner und hatten ein entsprechendes Verständnis von Familie, Bildung, Kirche und Regenschaft.

Insgesamt hatten sie 15 Kinder, die – für diese Zeit sehr ungewöhnlich – von den Eltern selbst im Sinne des Luthertums erzogen wurden.

Wappen der Dorothea (Hajotthu, CC BY 3.0 www.creativecommons.org via Wikimedia Commons.

Headerbild: Dorothea von Dänemark (Ludger Tom Ring der Jüngere zugeschrieben, Public domain, via Wikimedia Commons), Quellen einiger Bilder auf dem zu diesem Beitrag gehörigen Banner: Brautwagen: Kunstsammlung der Veste Coburg, Wikipedia; Schloss Winsen: Dguendel, CC BY 4.0 www.creativecommons.org, via Wikimedia Commons); Wappen der Dorothea (Hajtthu, CC BY 3.0, www.creativecommons.org, via Wikimedia Commons).

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Brautwagen der Dorothea (Kunstsammlung der Veste Coburg, CC BY-SA 4.0 www.creativecommons.org, via Wikimedia Commons.

Leider wurde Wilhelm im Herbst 1577 krank – eine psychische Krankheit, die sich schubweise über die Jahre besserte und dann wieder verschlechterte. Er redete wirr, war orientierungslos und prügelte teilweise grundlos auf Diener ein.

Obwohl Dorothea bei Verwandten, Heilern und Medizinern Rat suchte konnte niemand tatsächlich helfen. Es wurde so schlimm, dass es 1582 sogar die Forderung gab, den Herzog zu seiner und der Sicherheit der Familie – zu dem Zeitpunkt hatte das Paar schon 13 Kinder, der jüngste Sohn gerade erst geboren und das nächste Kind schon auf dem Weg – einzuschließen.

Wegen dieser Forderung überwarf sich Dorothea sogar mit den führenden Beamten des Herzogs.

Kaiser Rudolf II. musste sogar eingreifen und eine Kommission senden, die dann strengen Gewahrsam empfahl.

Im selben Jahr, so einigen Quellen nach, stürzte Wilhelm nachts in die Kammer seiner Ehefrau und bedrohte sie mit einer großen Schneiderschere. In den Jahren darauf verbrachte Dorothea mehr und mehr Zeit im Kloster Medingen und in Winsen statt im eigenen Hause in Celle.

Wilhelm der Jüngere (Autor unbekannt, Publiziertc Domain, via Wikimedia Commons).

1587 wurden die psychischen Probleme letztendlich so schlimm, dass Herzog Wilhelm sein Amt nicht mehr ausüben konnte und unter Arrest in Celle gestellt wurde.

Obwohl Dorotheas Schwiegersohn als Regent bestellt wurde (ihre eigenen Söhne waren noch minderjährig), übernahm eigentlich Dorothea faktisch die Aufgaben des Herzogs.

Da sie schon in den Jahren vorher mehr und mehr die Regierungsgeschäfte ihres Mannes übernommen und die Last der Regentschaft getragen hatte, besaß sie entsprechend Erfahrungswerte – und an Energie mangelte es ihr ohnehin nicht.

Nach und nach trat Dorotheas ältester Sohn Ernst ihr zur Seite, und 1592 als Wilhelm schließlich starb – übernahm dieser vollends die Regierung.

Dorothea zog sich mit 46 als Witwe endgültig auf ihr Wittum (ihren Witwensitz) Winsen zurück und lebte dort nach weitere 25 Jahre – und sorgte für viel Wirbel:

  • Sie kümmerte sich energisch um die Instandsetzung und Renovierung des Schlosses

  • Sie nahm bei der Verwaltung des Amtes Winsen die Zügel in die Hand

  • Sie umsorgte ihre Kinder, von denen ein Teil weiterhin bei ihr in Winsen lebte

  • Sie ließ die Schlosskapelle im Turm kunstvoll ausmalen

  • Sie gab den Bau des Marstalls in Auftrag

  • Sie sorgte für die Gestaltung eines repräsentativen Lustgartens

  • Sie unterstützte den Handel und Gewerbe innerhalb der Stadt

Quellen besagten, Dorothea regierte Winsen »mit Herz und Härte« – in allen Lagen und Situationen.

Egal ob es um Amtsmänner ging, die eventuell untreu waren oder Streitigkeit mt ihrem Vetter dessen Jäger auf der Winsener Seite jagte. Selbst »kleinen« Problemen ging sie energisch, streng aber auch gütig an: Diskussionen um Viehmast, Plaggenhauen, Weidegerechtigkeit und mehr fielen in ihrer Position als Gerichtsherrin ebenfalls unter ihre Verantwortung.

1616 schließlich erkrankte sie und verstarb am 6. Januar des folgenden Jahres mit einem stolzen Alter von 71 Jahren gefüllt mit Tatendrang.

Alles in allem bescherte Dorothea, Prinzessin von Dänemark und Herzogin von Braunschweig-Lüneburg, der Stadt Winsen einen bemerkenswerten Aufschwung, für den man sich auch heute noch in Erinnerung halten sollte – unsere Powerfrau.

Epitaph zur Erinnerung an Dorothea (Dguendel, CC BY 4.0 www.creativecommons.org, via Wikimedia Commons).

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