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HEJ – Warum unser Wappen dänisch ist

Winsen-Zeitreise-Mittelalter

Chantal Philipp

Autor

Das Wappen der Stadt Winsen gibt es ungefähr seit 1292 – also rund um die Zeit, zu der Winsen die Stadtrechte erhalten hat. Heinrich der Löwe wird oftmals als der Urheber des Wappens gesehen, aber die Geschichte hinter der Gestaltung ist viel internationaler...

Das heutige Wappen zeigt einen goldenen (oder gelben, je nach Darstellungsart) Löwen mit roter Zunge, roten Krallen, auf blauem Hintergrund und umgeben von 8 roten Herzen.

Das verschnörkelte Wappenschild zeigt zusätzlich eine Burg mit grau-schwarzen Zinnen.

Wappen der Stadt Winsen Luhe [Aeroid (vectorized), Wikipedia]

Winsen gehörte früher zum Herrschaftsbereich Lüneburgs, das damals unter anderem von Henrich dem Löwen regiert wurde.

Dieser hatte, als Welfe, schon lange einen Löwen im eigenen Wappen (eines seiner ursprünglichsten Wappen ist das Braunschweiger Wappen in rot mit zwei goldenen Löwen). Auch eine Verbindung zum Wappen des Königreichs England besteht – so war Heinrich in zweiter Ehe mit Mathilda of England, der Tochter von König Henry II. verheiratet.

Vermutlich wurde unter Wilhelm dem Dicken, also um 1202, das Wappen in de uns ungewöhnlich scheinende Farbkombination »goldener Grund mit blauen Löwen« angepasst – Wilhelm war nämlich mit der Prinzessin Helena von Dänemark verheiratet, und das Wappen des dänischen Königshauses zeigt drei blaue Löwen auf Gold, umgeben von Herzen (bzw. früher wohl Seeblätter, was stilisierte Formen der Seerosen sind).

Wappen des Königreichs Dänemark (Kongeriget Dänemark, Wikipedia)

Wilhelm hatte einen Sohn, Otto das Kind, und unter dessen Kindern wiederum (Albrecht dem Großen und Johann I.) wurde das Herzogtum gespalten, in ein Fürstentum Braunschweig mit den zwei Löwen (bezogen auf die Urgroßmutter und die Verbindung nach England) sowie in ein Fürstentum Lüneburg (bezogen auf die Großmutter Helena von Dänemark).

Spätestens seit dieser Zeit, als Johann Herzog von Lüneburg war, existiert ein Wappen, das einen goldenen Hintergrund hatten und darauf einen blauen Löwen mit roter Zunge und roten Krallen zweigte, umgeben von roten Herzen. Alte Darstellungen des Wappens zeigen sogar nur die Farbkombi Blau-Gold ohne rote Farbe und auch ohne die Herzen – die Herzen waren vermutlich auch ursprünglich Lindenblättchen, die dann in rote Herzen übergingen.

Auch die genaue Anzahl (heute sind es 8) der Herzen variiert je nach Überlieferung.

Wappen des Fürstentums Lüneburg (Autor unbekannt – constructed and added by Jürgen Krause, Wikipedia)

Winsen übernahm, spätestens als um 1292/93 die Stadtrechte verliehen wurden, wie viele andere niedersächsische Gemeinden auch das Motiv des Herzogtums Lüneburg bzw. Braunschweig-Lüneburg.

Später allerdings, um das 19. Jahrhundert, kam es zu einer Farbumkehr: aus dem blauen Löwen wurde eine goldene Raubkatze und der ehemals goldene Hintergrund wurde blau.

Zuletzt wurde das alte Wappen 1852 nachgewiesen auf der Fahne des Schützenkorps Winsen Luhe, und 1892 wurde erstmals das neue Wappen erwähnt.

Wappen der Stadt Winsen – ursprünglich und verändert (Buch: Gemeindewappen des Landkreis Harburg, W. Marquart, Immenbeck, R. Sander, Seite 13, Rosengarten-Nenndorf 1983, Wikipedia)

Bis heute ist nicht ganz klar, warum es diesen Farbentausch gab – und somit ist das Winsener Wappen der Heraldik nach eine Besonderheit, da es eigentlich gegen die Regeln der Wappenkunde verstößt.

Natürlich ist es so, dass Löwen in der Heraldik (Wappenkunde) sehr häufig vorkommen, dich es lässt sich begründet annehmen, dass das Winsener Wappen sowohl auf die Welfen zurückgeht (mit dem für sie typischen Löwen, gut zu sehen an Heinrich dem Löwen, sowie den historischen Farben der Welfen: blau, rot und gelb/gold) als auch auf das dänische Königshaus mit ihren typischen blau-gefärbten Löwen.

Quellen: für einige Bilder die auf dem zum Beitrag gehörigen Banner dargestellt sind: Wappen der Stadt Winsen – ursprünglich und verändert (Buch: Gemeindewappen des Landkreises Harburg, W. Marquart, Immenbeck, R. Sander, Seite 13, Rosengarten-Nenndorf 1983, Wikipedia).

MEHR INFOS ZUR LERNBAUSTELLE: www.winsen-2030.de

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